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Männer: Wechseljahre & Co

Während Veränderungen bei Männern im fortgeschrittenen Alter häufig als Midlife Crisis abgetan werden, weiß die Wissenschaft heute, dass auch Männer Wechseljahre haben können. Und die sind wie bei den Frauen hormonell bedingt.

 

Sie zeigen sich dann aber nicht daran, dass sich Männer um die 50 Jahre plötzlich Motorräder kaufen oder ein großes Interesse an jüngeren Frauen entwickeln. Das sogenannte Klimakterium virile oder „Andropause“ ist im Deutschen am besten mit „Wechseljahre des Mannes“ zu übersetzen.

Zurückzuführen ist sie auf einen Mangel am männlichen Sexualhormon Testosteron. Betroffen davon sind nach Schätzungen bis zu einem Drittel der Männer zwischen 60 und 80 Jahren. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einem Hypogonadismus.

 

Konzentration, Lust und Muskeln werden weniger

Dieser kann zu unterschiedlichen Symptomen führen, die vielleicht dem einen oder anderen älteren Leser von sich oder auch von anderen nur allzu bekannt sind. Denn einige von ihnen verändern auch das Aussehen.

Die Muskelmasse nimmt ab, wogegen ausgerechnet das Bauchfett zunimmt. Insgesamt sinkt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Zudem kommt es bei vielen Betroffenen zu einem Nachlassen der sexuellen Lust und der Potenz. Aufgrund der anerzogenen Rollenbilder des Mannes, „der immer kann“, führt gerade Letzteres bei vielen Männern zur Verunsicherung. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Prozess – anders als bei den Wechseljahren der Frauen – nur sehr langsam und schleichend vollzieht. Daher werden die Veränderungen, die ja auch für viele Tabuthemen sind, oft überspielt oder sogar zumindest zunächst völlig ignoriert. Dabei kann es wie geschildert auch diese „Andropause“ durchaus mit unangenehmen Folgen in sich haben.

Die Wissenschaft, die den Hypogonadismus lange Zeit vernachlässigt hat, widmet dem Thema in den letzten Jahren allerdings deutlich mehr Aufmerksamkeit. So laufen aktuell mehrere Studien, die überprüfen sollen, ob man dem Problem mit einer Hormonersatztherapie entgegenwirken kann. Betroffene sollten in diesem Zusammenhang das Gespräch mit einem Urologen oder einem Andrologen suchen.

 

Wenn die Prostata Probleme macht

Einen Urologen sollten auch Männer aufsuchen, die zunehmend Probleme beim Wasserlassen feststellen oder sogar Schmerzen im Unterleib verspüren. Die Betroffenen müssen deutlich häufiger auf die Toilette und haben danach oft das Gefühl, dass sich noch Restharn in der Blase befindet.

 

In vielen Fällen verbirgt sich dahinter eine Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostata), die zu den männlichen Geschlechtsorganen gehört und die Harnröhre der Männer am Blasenausgang zwischen Enddarm und Blase umschließt. In ihr wird ein Teil der Samenflüssigkeit produziert. Durch den größeren Umfang der Prostata wird die Harnröhre dann zusammengedrückt und der Abfluss des Urins erschwert. Dies ist keine Seltenheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass nahezu jeder Mann in seinem Leben einmal von derartigen Problemen betroffen ist. Fast 30 Prozent der Männer in Industrienationen werden sogar einmal an der Prostata operiert.

 

Für Panik besteht dann allerdings in aller Regel kein Grund. Denn in den meisten Fällen sind solche Prostatavergrößerungen gutartig und können mit Medikamenten recht gut behandelt werden.

 

Wesentlich geringer ist die Zahl der Patienten, die an einem bösartigen Prostatakrebs erkranken. Mit etwas weniger als 60.000 Fällen (2016) ist dieser dennoch die häufigste Krebsart bei Männern. Das Durchschnittsalter bei den Neuerkrankungen liegt mit 72 Jahren recht hoch. Allerdings ist die Krankheit bei den meisten von ihnen durch eine Früherkennungsuntersuchung entdeckt worden. Ohne diese hätten sie wahrscheinlich nie davon erfahren.  Denn der Großteil der betroffenen männlichen Patienten muss nicht an diesem Krebsleiden sterben. Dennoch ist die Abklärung der Diagnose durch den Urologen wichtig, damit dieser eine optimale Therapie einleiten kann. 

 

Es gibt allerdings auch noch andere Gründe für die Inkontinenz bei Männern. Dazu können Stress, eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur oder eine Infektion der Harnwege zählen. Mit entsprechenden Hilfsmitteln stellt diese aber für die meisten Männer nach einer Eingewöhnungsphase kein größeres Problem mehr dar.

 

Sind Männer vergesslicher als  Frauen?

Dagegen ist die Vergesslichkeit nicht wirklich eine Domäne der Männer. Viele Frauen sind zwar davon überzeugt, weil das Vergessen beispielsweise des Hochzeitstages vor allem den Ehegatten passiert. Und eine Studie des Brigham and Women’s Hospital in Boston an 212 Probanden scheint dies zu bestätigen. Bei neuropsychologischen Tests zur Lernfähigkeit und zum Erinnerungsvermögen schnitten die Frauen durchweg besser ab.  Allerdings waren die untersuchten Teilnehmer zwischen 45 und 55 Jahren alt. Dieser Hinweis ist wichtig, weil weitere Untersuchungen ergeben haben, dass die Frauen nach der Menopause ebenfalls immer schlechter erinnern konnten. Hintergrund ist der positive Einfluss eines bestimmten Östrogens auf die Gedächtnisleistung. Nimmt dieses ab, sinkt auch das Erinnerungsvermögen. Zudem erkranken Frauen im Durchschnitt häufiger an Alzheimer als Männer.

 

Ob dies allerdings positiv für die „Herren der Schöpfung“ ist, darf durchaus bezweifelt werden. Denn viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Grund hierfür schlicht und ergreifend darin liegt, dass Frauen im Durchschnitt einfach älter werden.

 

 

 

 

 

 

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