©iderina_AdobeStock

 

Das Kind muss an die frische Luft …

… und sich bewegen. Vor allem die Kleinen entwickeln sich buchstäblich schritt- und sprungweise. Daran ändern auch Corona-Einschränkungen nichts.

 

Das Baby, das vor Begeisterung über das Mobile mit Armen und Beinen zappelt. Das Kleinkind, das nach 30 Mal rutschen immer noch energiegeladen die Leiter emporklettert, als wäre nichts gewesen. Der Teenager, der nach zehn Minuten Sitzen auf dem Stuhl hin- und herrutscht. Sie alle zeigen:  Kinder haben einen instinktiven Bewegungsdrang. Der kommt in ihrem Alltag aber oft viel zu kurz – erst recht, wenn zum Schutz vor Viren geliebte Spiel- und Sportmöglichkeiten eingeschränkt sind.

 

Die Verantwortlichen der Langzeitstudie des Karlsruher Instituts für Technologie, die seit 2003 die körperliche und sportliche Aktivität von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfasst, warnen: „Bewegungsmangel bei Kindern ist zu einem ernsten Problem nicht nur für die Familien geworden, sondern für die gesamte Gesellschaft.“ Etwa jedes fünfte Kind ist nach den Erkenntnissen der Karlsruher Forscher übergewichtig. Die Folgen reichen von mangelnder körperlicher Fitness, Haltungsschäden bis zu geringerer geistiger Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Spätfolgen im Erwachsenenalter sind der frühere Beginn von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rückenleiden. Die Ursache dafür, dass heutige Kinder im Vergleich zu früher weniger Spiel- und Bewegungsräume haben, sehen Wissenschaftler und Ärzte zum einen im immer noch zunehmenden Straßenverkehr und in der gleichzeitig steigenden Nutzung elektronischer Medien. „Aber auch die geringe Wertschätzung des freien Spiels im Freien durch Eltern und andere Erwachsene trägt dazu bei“, heißt es in der Studie.

 

Die gute Nachricht

Eltern haben trotz allem den größten Einfluss auf das Bewegungsverhalten ihrer Kinder. Sie wirken als Vorbilder. Wenn sie Sport treiben, eher Rad fahren oder zu Fuß gehen, als das Auto zu benutzen, und den Urlaub oder die Freizeit bewegungsorientiert verbringen, wirkt das auch ansteckend auf die Kinder.

 

Eltern sollten ihre Kinder, wenn irgend möglich, auch bei schlechtem Wetter Wege zu Fuß oder altersgerecht mit dem Fahrrad zu Kindergarten oder Schule gehen lassen. Das stärkt nicht nur die Fitness, sondern auch Selbstvertrauen und Neugier auf die Umgebung. Es sollte zum Alltag eines jeden Kindes gehören, einen Teil des Nachmittags im Freien zu verbringen – idealerweise in freier Natur oder Grünanlagen, notfalls aber auch beim Spaziergang zum Briefkasten oder beim Brotholen. In vielen Kindergärten gibt es Waldtage, an denen die Kinder einen Tag in der Woche im Wald verbringen. Auch reine Waldkindergärten, in denen die Kinder jeden Tag im Wald verbringen und als Unterstand nur einen Bauwagen haben, sind mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet.

 

Natürlich sollten Eltern auch den Konsum elektronischer Medien zeitlich begrenzen. Ihnen sollte man sich nie aus Langeweile zuwenden, sondern immer nur, um bewusst etwas Bestimmtes zu tun oder zu sehen. Hier heißt es: Mut zur Langeweile!  Aus ihr können sich kreative und selbstbestimmte Aktivitäten ergeben – wenn man sie zulässt.

 

Last, but not least

Wichtig ist auch geeignete Kleidung. Wetterfeste Jacken, Schuhe, die sich zum Rennen und Klettern eignen, Hosen, die nicht einengen und auch einmal schmutzig werden dürfen, fördern den Bewegungsdrang enorm – vor allem bei Mädchen, die nur allzu oft in hübsche, beengende Kleidchen gesteckt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Startseite