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Cannabis

Zwischen Hype und Heilsamkeit

 

Sieben schlanke Finger, die Ränder fein gezahnt, in der Mitte zusammenlaufend – wer vor dreißig Jahren wusste, wie ein Hanfblatt aussieht, war entweder Botaniker, Alt-68er, ein Liebhaber der Musik von Jimi Hendrix, Jefferson Airplane und den Doors, Indienreisender oder ein Mitglied der Strafverfolgungsbehörden. Heute zieht sich das Wissen um Cannabis und seine Verwendung quer durch die gesamte Gesellschaft. Entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung hat die voranschreitende Etablierung von Cannabis als Arzneimittel. 

 

 

Längst begegnet einem Cannabis nicht mehr als grünlich-vergilbter Aufkleber auf einem schmuddelig-schummrigen Schaufenster, in dem verstaubte Wasserpfeifen neben träge blubbernden Lavalampen, Totenkopfaschenbechern und Postern von Mandalas stehen. Cannabis ist salonfähig geworden – zumindest teilweise. Denn als bloßes Rauschmittel ist es nach wie vor illegal. Nicht jedoch in Form von Nutzhanf, dessen Gehalt an berauschendem THC unter 0,2 Prozent liegen muss und der beispielsweise als Stofffaser zu Kleidung verarbeitet werden kann, und des wirtschaftlich wie gesellschaftlich weitaus wichtigeren Medizinalhanfs, der hierzulande seit 2017 als Arzneimittel zugelassen ist.

 

Kiffen als Kur?

Medizinisches Cannabis wird in Deutschland bisher nur in Ausnahmefällen und nach sorgfältiger Prüfung verordnet. Voraussetzungen hierfür sind, dass bisher keine medizinische Alternativtherapie angeschlagen hat oder der behandelnde Arzt eine solche Alternative nicht für sinnvoll erachtet, und zu erwarten ist, dass der Krankheitsverlauf durch eine Cannabistherapie positiv beeinflusst wird. Wissenschaftlich belegt ist die Wirkung einer Therapie mit Cannabis bei chronischen Schmerzen, die hierzulande auch der häufigste Grund für eine Verordnung sind, bei Muskelkrämpfen, Epilepsie, starker Übelkeit, beispielsweise im Rahmen einer Chemotherapie, sowie zur Anregung des Appetits bei HIV bzw. AIDS. Ob Cannabis darüber hinaus auch bei Angst- und Schlafstörungen, einem Tourette-Syndrom und ADHS hilft, muss derzeit noch weiter untersucht werden. Belastbare Studien zum therapeutischen Nutzen bei Depressionen, Psychosen, Demenz, Glaukom und Darmerkrankungen existieren bisher noch nicht.

 

Cannabisprodukte als Nahrungsergänzungsmittel

Seit der Zulassung von Medizinalhanf als Arzneimittel vor gut zwei Jahren werden auch vermehrt Produkte aus Nutzhanf vertrieben. Bisher besonders beliebt war Cannabidiol-Öl, verkürzt meist CBD-Öl genannt. Dieses Öl wird aus Nutzhanf gewonnen und hat daher keinerlei berauschende Wirkung. Allerdings wird ihm insbesondere bei Schmerzen und Entzündungen eine lindernde Wirkung nachgesagt. Da CBD-haltige Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel relativ neue Produkte sind, liegen hierzu bisher aber kaum wissenschaftlich belastbare Studien vor. Um die Sicherheit der Verbraucher weitgehend zu schützen, hat das EU-Parlament im März 2019 vor diesem Hintergrund entschieden, dass alle CBD-Erzeugnisse, die angereichertes, isoliertes CBD enthalten, unter die „Novel Food“-Verordnung fallen und entsprechend zertifiziert werden müssen. Produkte aus Hanfsamen oder Blättern, die lediglich den natürlichen Gehalt an CBD der verarbeiteten Hanfpflanzenteile beinhalten, sind hingegen als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich.

 

 

 

 

 

 

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