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Moderne Hörsysteme: Klein, aber oho

Das Hupen eines Lkw dröhnt unerträglich laut, eine Windböe rauscht wie ein Orkan am Ohr vorbei und von Gesprächen in Gruppen werden nur Satzfetzen verstanden: Für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen bietet der Alltag viele akustische Herausforderungen. Moderne Hörsystemtechnologie, die vom Hörakustiker individuell angepasst wird, kann hier helfen.

 

Hörsysteme, die so groß wie Streichholzschachteln sind und alles einfach lauter machen, gibt es nur noch in Museen. Moderne Hörsysteme dagegen sind filigrane Designobjekte, in denen echte Supercomputer stecken. „Wir Hörakustiker arbeiten heute mit Hörsystemen, die wir zum einen ganz individuell programmieren können und die zum anderen großartige automatische Eigenschaften mitbringen“, sagt Beate Gromke, die als Hörakustikmeisterin ein Familienunternehmen in Leipzig leitet und zudem Präsidentin der Europäischen Union der Hörakustiker e.V. (EUHA) ist. Der Fachverband, der Fort- und Weiterbildungen für Akustiker aus ganz Europa anbietet, hat im Oktober den weltweit größten Hörakustiker-Kongress in Nürnberg veranstaltet, auf dem auch die neueste Hörsystemtechnik vorgestellt wurde.

 

„Ein großes Thema für mich und meine Kollegen ist die künstliche Intelligenz in Hörsystemen“, so Beate Gromke. Künstliche Intelligenz bedeutet: Die Hörsysteme analysieren das Verhalten ihres Nutzers und „sammeln“ Erfahrungen; sie erkennen wiederkehrende Muster und leiten daraus Regeln für die Zukunft ab. Fährt ein Hörsystemträger beispielsweise gerne mit dem Rad und stellt dabei eine Windgeräusch- unterdrückung im Hörsystem ein, erkennt das System, wann der Nutzer wieder auf dem Sattel sitzt – und wählt ganz automatisch die bevorzugten Einstellungen. Die Sensortechnologie, die dabei zum Einsatz kommt, macht den Alltag für Hörsystemträger aber nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer. „Eine Anwendungsmöglichkeit ist das Registrieren von Stürzen“, erklärt die Hörakustikerin Gromke. Denn die Hightech-Komponenten im Hörsystem erkennen, wenn der Nutzer fällt – und senden eine Alarm-SMS an vorher festgelegte Kontakte. Darüber hinaus lassen sich viele der heutigen Hörhilfen mit dem Smartphone verbinden. Telefonate können mithilfe einer App direkt ins Ohr übertragen werden, dasselbe gilt für Musik oder andere Audidateien. Störende Hintergrundgeräusche werden auf diese Weise maximal reduziert, Lautstärke und Klangbild können individuell angepasst werden. Auch Apps mit Hörübungen oder zur Unterstützung von Menschen mit Tinnitus sind verfügbar.

 

Weil jeder Hörverlust anders ist, benötigen Menschen mit Hörverlust individuelle technische Lösungen und die Anpassung durch Hörakustiker. Dabei kommt es auch auf die Auswahl der passenden Technik an. Die Entwicklung der Technologie in den letzten Jahren hat es möglich gemacht, dass auf diese Weise vielen geholfen werden kann.

 

 

 

 

 

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