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Moderne Hüftimplantate sind so klein wie möglich

Zwar lässt sich zunächst mit nicht operativer Therapie noch viel erreichen, doch können schmerzende Hüftgelenke die Lebensqualität des Patienten irgendwann stark einschränken. Ist das der Fall und ist keine gelenkerhaltende Operation mehr möglich, muss das Hüftgelenk ersetzt werden. Ein Gespräch mit Prof. Dr. med. Michael Dienst.

 

Manche Patienten versuchen, den Hüftersatz möglichst lange hinauszuzögern. Ist das sinnvoll?

Aufgrund der begrenzten Haltbarkeit eines künstlichen Hüftgelenks ist es insbesondere für junge Patienten sinnvoll, den Hüftersatz nicht zu frühzeitig zu planen. So- lange der Patient keine einschränkenden Probleme hat, kann er warten. Besonders in dieser Phase ist eine regelmäßige Dehnungstherapie wichtig, um die Funktion und Beweglichkeit des Hüftgelenks zu erhalten.

 

Bei Zunahme der Probleme und Beeinträchtigung der  Lebensqualität sollte aber nicht zu lange gewartet werden, auch um Folgeprobleme zu vermeiden, etwa Rückenprobleme, Muskelabbau und einen zunehmenden Beweglichkeitsverlust. Wer mit 60 schon starke Schmerzen hat und noch zwei Jahre die Zähne zusammenbeißt, schadet sich damit möglicherweise mehr. Und er verschenkt in einem Alter, in dem er mit einem Kunstgelenk noch aktiv sein könnte, wertvolle Zeit.

 

Wie erfolgt der Eingriff?

Hüftprothesen werden heute muskelschonend implantiert. Nur bei deutlichen Muskelverkürzungen müssen Muskeln durchtrennt werden, damit der Patient wieder eine gute Beweglichkeit erlangt. Bei jüngeren Patienten mit guten Knochen implantieren wir die Prothesen immer zementfrei, damit der Knochen an die Prothese heranwächst und sie damit stabilisiert. Bei schlechter Knochenqualität, etwa bei Osteoporose, wird der Schaft, der in den Oberschenkel hineingeht, einzementiert. Grundsätzlich wird knochensparend implantiert und das Implantat möglichst klein gewählt. Das vereinfacht auch einen eventuellen späteren Wechsel. 

 

Wann kann man wieder aktiv sein?

Nach einer Woche im Akut-Krankenhaus folgt eine  stationäre oder ambulante Reha von etwa drei Wochen. Die meisten Patienten beginnen nach der zweiten Reha-Woche, ihre Krücken wegzulassen. Nach etwa vier bis sechs  Wochen können sie längere Stecken ohne Gehhilfen zurücklegen. Danach lassen sich wieder normale Alltagsdinge erledigen und leichte sportliche Aktivitäten beginnen.

 

Was raten Sie Ihren Patienten mit Gelenkersatz?

Hüftgelenke sollten in den ersten sechs Wochen nach der Operation nicht über 90 Grad gebeugt und Drehbewegungen etwas vorsichtiger ausgeführt werden. Grundsätzlich sollten gelenkbelastende Sportarten und Kampfsportarten nicht betrieben werden.

 

Jeder Patient mit einem Kunstgelenk muss wissen, dass er Fremdmaterial im Körper hat. Damit verbunden ist ein erhöhtes Risiko für bakterielle Infektionen im Implantatbereich, da der Körper an dieser Stelle Infektionen nicht so gut abwehren kann.

 

Bei kleineren Eingriffen oder Biopsien in Körperregionen wie Mund, Nase, Rachen oder Darm, die stark von Bakterien besiedelt sind, sollte darum vorsichtshalber ein Antibiotikum gegeben werden, damit keine Erreger eindringen, die sich auf dem Implantat absiedeln könnten. Im Zweifelsfall sollte man den behandelnden Arzt  informieren, dass man ein künstliches Hüftgelenk hat und möglicherweise antibiotisch abgedeckt werden muss.

 

 

 

 

 

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