©Koszivu_AdobeStock

 

Besser Hören

Muschel, Hammer, Steigbügel, Amboss und Trommelfell – diese Aufzählung klingt ein bisschen wie Inventur auf dem verstaubten Dachboden. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Teile eines unserer wichtigsten Sinnesorgane: des Ohres. Anatomisch ist es ein kleines Wunderwerk. Leider ist es auch entsprechend empfindlich.

 

Geräusche erzeugen einen Schalldruck, der in Dezibel gemessen wird. Ein Schalldruck von über 85 Dezibel kann unseren Ohren auf Dauer schaden. Leider sind wir im Alltag relativ häufig Geräuschen ausgesetzt, die diese Schwelle deutlich überschreiten: An einer Straßenkreuzung herrschen durchschnittlich rund 90 Dezibel. Wenn gerade ein Einsatzfahrzeug mit Sirene vorbeifährt, sogar bis zu  127 Dezibel. Das ist in etwa so laut wie ein Rockkonzert oder ein startendes Flugzeug.

 

Sind wir solchen lauten Geräuschen dauerhaft ausgesetzt, drohen ein Hörsturz, Tinnitus und letztlich Schwerhörigkeit. Fast 13 Millionen Deutsche leiden an einem derart verminderten Hörvermögen. Gerade im Alter ist Schwerhörigkeit besonders häufig: Jede zweite Person über  65 Jahren ist betroffen. Aber auch eine verschleppte Mittelohrentzündung oder Schäden am Trommelfell können zu Hörverlust führen.

Die gute Nachricht: Schäden an Trommelfell oder Teilen des Mittelohrs können operativ behoben werden. Anders sieht es bei einer Schädigung der Sinneshärchen im Innenohr aus. Ein zu hoher Schalldruck knickt sie um wie ein Orkan ganze Wälder. Und ist das erst passiert, helfen leider nur noch externe oder implantierte Hörgeräte.

 

Vorsicht bei der Ohrenpflege!

Erstmal alle hergehört: Ohrenschmalz ist nicht unhygienisch! Das Gegenteil ist der Fall: Ohrenschmalz pflegt die Haut des Gehörgangs, hält sie feucht und transportiert Staub und Schmutzpartikel hinaus in die Ohrmuschel. Zudem enthält das Sekret Lysozym, ein Enzym mit antibakterieller Wirkung.

 

HNO-Ärzte empfehlen daher, lediglich die Ohrmuschel zu reinigen, am besten mit einem weichen Waschlappen. Eine Entfernung des Ohrenschmalzes aus dem tieferen Gehörgang ist hingegen nur bei einer Überproduktion oder einem Pfropfen notwendig. Das Problem: Viele Menschen fühlen sich schlicht unwohl, wenn das Ohr nicht „tiefengereinigt“ ist.

 

Eine schonende Möglichkeit der zusätzlichen Ohrhygiene sind Spülungen, beispielsweise mit lauwarmem Wasser unter der Dusche. Dabei sollte jedoch möglichst weder Shampoo noch Seife in den Gehörgang gelangen, da hierdurch der Säureschutzmantel der Haut beeinträchtigt wird und durch Bakterien und Pilze Reizungen oder Entzündungen entstehen können.

 

Viel häufiger greifen wir jedoch zu Wattestäbchen. Die scheinen schließlich geradezu dafür gemacht, um mit ihnen wie mit einem Feudel das Ohr kräftig durchzuschrubben. Dabei sind sie in Wahrheit völlig ungeeignet für diese Aufgabe: Ohrenschmalz wird meist nicht nur tiefer in das Ohr hineingeschoben, sondern zudem die Haut des Gehörgangs gereizt oder das Trommelfell verletzt.

 

Leider stoßen entsprechende Warnungen der HNO-Ärzte noch immer viel zu häufig auf taube Ohren.

 

 

 

 

Startseite