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Was tun, wenn der  Darm nervös ist?

Darm und Gehirn „reden“ miteinander, und zwar über Hormone und Nervenverbindungen. Ist ein Mensch angespannt, signalisiert das Zwischenhirn der Nebenniere, dass sie Cortisol freisetzen soll. Dieses „Stresshormon“ beschleunigt Atmung und Herzschlag und sorgt dafür, dass die Muskeln besser durchblutet werden. So ist der Mensch einer möglichen Gefahr gegenüber besser gewappnet. Die Habachtstellung kostet allerdings zusätzliche Energie, und die zieht der Körper aus dem Magen-Darm-Trakt ab. Folglich fahren die Verdauungsorgane ihre Arbeit zurück und transportieren erst einmal keine Nahrung mehr weiter. Das wiederum führt oft zu Bauchdrücken oder Übelkeit, schlimmstenfalls auch zu Erbrechen oder Durchfall, weil das System die Nahrungsreste so schnell wie möglich loswerden möchte.

 

Von einem sogenannten Reizdarmsyndrom sprechen Mediziner, wenn sich für häufige Beschwerden wie Stuhldrang, Durchfall, Blähbauch, Blähungen, Bauchschmerzen oder auch Verstopfung keine organischen Ursachen wie etwa Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder andere Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes finden lassen. Das ist laut Berufsverband der Deutschen Internisten bei rund 15 Prozent der Bevölkerung so, in erster Linie bei Frauen. Zwar sind die genannten Beschwerden in der Regel nicht gefährlich – aber unangenehm und lästig sind sie allemal. Wer möchte schon für den Fall des Falles ständig Ausschau nach Toiletten halten, mit Rücksicht auf die Mitmenschen Blähungen zurückhalten oder immerzu mit Grummeln oder Krämpfen im Bauch rechnen?

 

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind bislang noch nicht eindeutig geklärt. Unter anderem vermutet man, dass überempfindliche Darmnerven, Störungen der Darmmuskulatur und Entzündungen der Darmwand eine Rolle spielen. Außerdem treten die Beschwerden häufiger bei Menschen auf, die schon einmal eine Darminfektion mit Fieber und heftigem Durchfall hatten. Auch die Gene spielen möglicherweise eine Rolle, ebenso psychische Belastungen und Ernährungsgewohnheiten. Wer das Gefühl hat, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden verstärken, sollte testen, ob es hilft, darauf zu verzichten. Einigen Betroffenen hilft es, wenn sie ihre Mahlzeiten in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt zu sich nehmen. Viele Menschen finden so mit der Zeit heraus, was ihrem Darm guttut und was nicht. Der Berufsverband Deutscher Internisten weist zudem darauf hin, dass eine ungesunde Lebens- und Ernährungsweise mit Alkohol- und Nikotinkonsum sowie ballaststoffarmer Kost die Entstehung eines Reizdarms mit Sicherheit fördern.

 

Geeignete Behandlungsformen zu finden ist angesichts der Unklarheit über die Ursachen schwierig, betonen die Mediziner des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Zumindest zu einigen Mitteln und Maßnahmen gebe es aber Studien, die darauf hinweisen, dass sie helfen können. Dazu zählen Ballaststoff-Präparate wie Mittel aus Flohsamen, Pfefferminzöl, Probiotika, krampflösende Mittel sowie Mittel gegen Durchfall oder Verstopfung, ebenso psychologische Verfahren wie Stressbewältigung und Hypnose.

 

 

 

 

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