©jarun011_AdobeStock

 

Der große Bruder der Windpocken: Herpes zoster

Von allen sogenannten „Kinderkrankheiten“ sind die Windpocken wohl am bekanntesten. Vor allem im Winter oder Frühjahr entvölkern sie zeitweise ganze Kindergartengruppen und Grundschulklassen. Auf eine überstandene Infektion folgt die Erleichterung. Denn wer einmal Windpocken hatte, bekommt sie nie wieder. Weniger bekannt ist jedoch der Umstand, dass der Erreger im Körper verbleibt und sich im Laufe des Lebens durchaus erneut Bahn brechen kann. Geschieht dies, erkranken Betroffene an einer Gürtelrose.

 

Bei der Gürtelrose, in der Fachsprache Herpes zoster genannt, handelt es sich sozusagen um die Zweiterkrankung mit dem Erreger der Windpocken, dem Varizella-zoster-Virus. Der schlummert nach einer überstandenen Windpocken-Infektion in den Nervenzellen entlang des Rückenmarks und des Gehirns, wo er vom Immunsystem in einem inaktiven Zustand gehalten wird. Doch unter bestimmten Umständen kann das Virus aus seinem „Gefängnis“ ausbrechen und sich entlang einzelner Nervenbahnen erneut verbreiten.

 

Wie kommt es zu einer Gürtelrose?

Voraussetzung für eine Reaktivierung des Virus ist eine Schwächung des Immunsystems, zum Beispiel infolge einer Krankheit, bestimmter Medikamente oder fortgeschrittenen Alters. Die seit 2004 für alle Kinder empfohlene Windpocken-Impfung schützt nur bedingt vor einer Gürtelrose. Geimpfte Personen können immer noch an einer Gürtelrose erkranken, allerdings verläuft die Krankheit in der Regel weniger schwer als bei nicht geimpften Personen. Besseren Schutz bietet die Impfung speziell gegen Gürtelrose, die von der STIKO (Ständige Impfkommission)für alle Personen ab 60 Jahren empfohlen wird.

 

Was sind die typischen Symptome?

In den meisten Fällen kündigt sich eine Gürtelrose durch Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie eventuell leichtes Fieber an. Bevor der typische Hautausschlag auftritt, kann das betroffene Hautareal auch jucken oder brennen. Am häufigsten entwickelt sich eine Gürtelrose im Bereich der Brust oder des Rückens, auf einer Körperhälfte und in Form eines „Gürtels“ – daher auch ihr Name. Sie kann aber auch andere Körperregionen wie etwa den Kopf, den Halsbereich oder die Extremitäten befallen. Die charakteristischen Pusteln sind mit einer stark virenhaltigen Flüssigkeit gefüllt und bilden sich meist innerhalb eines umgrenzten Areals. Nach einigen Tagen platzen sie auf und verkrusten. Unter Umständen können jedoch Pigmentstörungen oder sogar Narben zurückbleiben.

 

Welche Komplikationen sind möglich?

Neben diesen unschönen, aber rein kosmetischen Spätfolgen kann es auch zu schwerwiegenderen Komplikationen kommen. So leiden manche Patienten auch noch nach Abklingen des Ausschlags an teilweise starken Nervenschmerzen, der sogenannten postherpetischen Neuralgie. Außerdem ist insbesondere bei einer Gürtelrose im Bereich des Gesichts Vorsicht geboten: Befällt das Virus Augen oder Ohren, kann es zu Blindheit, Taubheit oder Lähmungen kommen. Ist die zugrunde liegende Immunschwäche sehr ausgeprägt, kann die Gürtelrose auch die gesamte Haut und eventuell sogar die inneren Organe befallen. Noch kritischer ist der glücklicherweise sehr seltene Befall des zentralen Nervensystems. Hierdurch kann es zu Entzündungen der Hirnhaut und des Gehirns kommen.

 

Wie wird eine Gürtelrose behandelt?

Die symptomatische Behandlung einer Gürtelrose erfolgt zunächst mit Lösungen oder Salben, die den Juckreiz lindern, das Austrocknen der Bläschen fördern und die Umgebung desinfizieren. Die Schmerzen werden mit leichten Schmerzmitteln bekämpft, die zudem fiebersenkend wirken. Sind diese nicht ausreichend, können auch stärkere Schmerzmittel verschrieben werden. Zur ursächlichen Behandlung werden häufig Virostatika verschrieben, die meist oral eingenommen, unter Umständen aber auch intravenös verabreicht werden müssen. Sie verringern nicht nur die Viruskonzentration im Körper und beschleunigen das Abheilen der Pusteln, sondern verringern auch das Risiko für eine postherpetische Neuralgie. Nur bei sehr leichten Verläufen wird auf Virostatika verzichtet. Generell sollte eine Therapie möglichst innerhalb von zwei bis drei Tagen nach dem Auftreten der ersten Symptome beginnen, da hierdurch der Verlauf und die Gefahr möglicher Spätfolgen deutlich abgemildert werden.

 

 

 

 

Startseite