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Chancen der digitalen Medizintechnologie

„Digitalisierung“ ist eines der wichtigsten Schlagwörter unserer Zeit. Ob Freizeitvergnügen, Ausbildung oder der moderne Arbeitsplatz innerhalb eines globalisierten Wirtschaftsgefüges: Nahezu jeder Lebensbereich wird von dem Trend zur Digitalisierung erfasst. In der Medizin bietet die fortschreitende Digitalisierung große Chancen, die Gesundheitsversorgung zu verbessern sowie Qualität und Geschwindigkeit der Diagnostik zu optimieren.

 

Digitale medizintechnologische Innovationen ermöglichen Untersuchungen und Behandlungen unter einem ganzheitlichen Aspekt und helfen, dem Patienten ein größeres Maß an Autonomie und Lebensqualität zurück zu geben, so das Fazit von Gesundheitsexperten auf einer Veranstaltung der Aktion Meditech in Hamburg. „Die Digitalisierung bedeutet für die Medizin den größten Innovationssprung ihrer Geschichte“, erklärt Prof. Dr. Jochen A. Werner vom Universitätsklinikum Essen. Seit 2015 hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Essener Universitätsmedizin, deren Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender er ist, zu einem „Smart Hospital“ zu machen.

 

Digitalisierung nicht als Problem begreifen, sondern als mögliche Lösung

Als Ziel dieser Digitalisierung sieht Prof. Werner eine allgemeine Verbesserung aller medizinischen Leistungen durch höhere Effektivität, besseres Zeitmanagement, weniger Personalmangel und eine Stärkung der sogenannten „sprechenden Medizin“, also der sozialen Komponente zwischen Patient und behandelndem Arzt. Im Zuge dessen würde sich die medizinische Betreuung von einer sporadischen und reaktiven Behandlung zu einem kontinuierlichen und proaktiven Prozess wandeln. Ebenso überzeugt von den Chancen der Digitalisierung ist der Dipl.-Ing. Thomas Lips, Zentrumsmanager der Herzmedizin der Universitätsmedizin Rostock: „Durch die Vernetzung von Kompetenzen könnten Patienten besser und effektiver durch die Behandlung bei verschiedenen Fachärzten geführt werden.“ Befürchtungen, der Arztberuf könne sprichwörtlich wegdigitalisiert werden, hält er hingegen für unbegründet. Schließlich seien die Ärzte die „Lead User“ der neuen Technik, die wichtiges Wissen generieren würden und somit auch Ideengeber für die nächsten Innovationen seien. Die Bündelung aller gesammelten Patienteninformationen an einem Ort – wie der elektronischen Patientenakte – könne die bruchfreie Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen, am Therapieprozess beteiligten, Ärzten in der Klinik und Praxis unterstützen, betont Dr. Olaf Göing vom SANA Klinikum Lichtenberg.

 

Berührungsängste müssen durch vertrauensbildende Maßnahmen abgebaut werden

Eine grundlegende Herausforderung sieht Manuel Ickrath, Herausgeber und Sprecher der Task Force Digitalisierung der Deutschen Diabetes Gesellschaft, in Berührungsängsten mit der Digitalisierung – und zwar sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten. Diabetes ist eine Datenmanagement-Erkrankung. Die Zukunft einer patientenzentrierten Diabetologie liege in der Aufbereitung von Gesundheitsdaten und deren Interpretation. Gerade im Bereich der Apps für den Patientengebrauch ohne ärztliche Aufsicht sei aber auch Vorsicht angebracht. Hier könne eine Art Qualitätssicherung als Orientierungshilfe und Schutz vor schwarzen Schafen dienen. Für Diabetes-Patienten wurde ein solches App-Prüfsiegel bereits auf den Weg gebracht: Auf www.diadigital.de können sich Diabetiker/innen über Smartphone-Apps informieren, die von den deutschen  Diabetes-Verbänden geprüft und mit einem Siegel zertifiziert wurden.

 

 

 

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