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Alles muss raus

Eine unvollständig entleerte Blase birgt gesundheitliche Risiken. Jutta Heine, niedergelassene Fachärztin für Urologie in Frankfurt am Main, erklärt, warum.

 

Was versteht man unter Restharngefühl?

Der Patient hat das subjektive Gefühl, seine Blase nicht richtig entleeren zu können. Manchmal spürt der Mann auch nicht richtig, ob die Blase voll ist oder nicht, oder hat das Gefühl, keinen Druck in der Harnblase aufbauen zu können, um die Blase zu entleeren.


Treten Probleme beim Wasserlassen auf ?

Das kann, muss aber nicht sein. Mit einer Ultraschalluntersuchung lässt sich aber zuverlässig überprüfen, ob die Blase vollständig entleert wurde oder ob noch eine Restmenge Urin vorhanden ist.


Welche Ursachen können einer unvollständigen Blasenentleerung zugrunde liegen?

Das kann mit Prostataproblemen in Zusammenhang stehen, etwa weil die Harnröhre eingeengt ist. Neurologische Ursachen wie beispielsweise Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Bandscheibenvorfälle können ebenfalls Auslöser sein.

Manchmal ist sie auch eine Folge einer großen Darmoperation, bei der die Blasennerven in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch Diabetes kann durch die damit verbundenen Nervenstörungen zu einer Blasenentleerungsstörung führen.


Was sind die Risiken?

Es besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, weil sich in dem verbleibenden Urin Bakterien ansammeln und dort sehr gut vermehren können. Das kann aufsteigende Harnwegsinfekte verursachen und zu gefährlichen Nierenbeckenentzündungen mit Fieber führen. Die Infektion kann aber auch absteigen und führt dann zu Entzündungen der Prostata, der Hoden und der Nebenhoden. Außerdem besteht bei einer dauerhaft schlecht entleerten Blase die Gefahr, dass diese überdehnt wird. Manche Männer mit einem Prostataleiden, die nicht regelmäßig zum Arzt gehen, bemerken nicht, dass sich in ihrer Blase zunehmend Restharn sammelt. Das kann sowohl den Blasenmuskel als auch die Nerven der Blase schädigen. Eine überdehnte Blase erschlafft und lässt sich dann nicht mehr richtig entleeren. Das kann zu einem Nierenstau führen oder zu Niereninsuff izienz. Im schlimmsten Fall droht der vollständige Verlust der Nierenfunktion.


Wann zum Arzt?

Eigentlich immer dann, wenn man das Gefühl hat, dass beim Wasserlassen etwas nicht stimmt; wenn der Urin schlecht riecht, wenn Schmerzen auftreten oder Fieber. Und immer wenn Blut im Urin sichtbar ist, mit oder ohne Schmerzen.


Was lässt sich gegen Restharn unternehmen?

Liegt es an einer vergrößerten Prostata, können eine Operation oder entspannende Medikamente (Alpha-Blocker) Abhilfe schaffen. Es gibt auch Tabletten zur Stärkung des Blasenmuskels, falls dieser das Problem ist. Man kann lernen, die Blase mit einem Einmalkatheter selbstständig zu entleeren. Liegt das Problem im Rückenmark, kann die Entleerung über einen eingesetzten Blasenschrittmacher evtl. gesteuert werden. Ansonsten sollten Betroffene darauf achten, regelmäßig ihre Blase zu entleeren und sie erst gar nicht zu voll werden zu lassen. Diabetiker sollten auf eine optimale Blutzuckereinstellung achten.


Info von Dr. Jutta Heine
Sie ist niedergelassene Fachärztin für Urologie in Frankfurt am Main.

 

 

 

 

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