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Viel hilft viel, denkt so mancher während der kalten Jahreszeit. Und kompensiert mangelnde Sonnenstunden und Bewegung mit Vitamin-Tabletten oder einer Extraportion Obst und Gemüse. Klingt gesund – kann sich aber ins Gegenteil verkehren, falls gleichzeitig Medikamente eingenommen werden. Denn die Ernährung kann die Wirkung von Arzneimitteln stark verändern. Die Folgen können erheblich, wenn nicht sogar tödlich sein.

Altersmediziner wissen: Nehmen betagte Patienten zu viele Medikamente gleichzeitig ein, steigt das Risiko unerwünschter Wechsel- und Nebenwirkungen. Aber auch als gesund geltende Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Arzneimitteln verändern – und zwar altersunabhängig.

Risikofaktoren: Johanniskraut und Grapefruit
Prof. Dr. Wehling vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg geht es weniger um Nahrungsergänzungsmittel oder Immunpräparate, sondern um natürliche, unveränderte Lebensmittel. Denn nicht alles, was rein pflanzlich ist, ist automatisch gut und alles Chemische schlecht. „Johanniskraut und Grapefruit können richtig giftig sein. Je nach Menge verursacht Johanniskraut drastische Wechselwirkungen“, erklärt er. Die Wirksamkeit von Statinen sei herabgesetzt, die Wahrscheinlichkeit für eine Digoxinvergiftung steige, ebenso das Risiko für eine Herz- oder Nierenabstoßung nach einer Transplantation. Außerdem gelte: „Vor einer Operation sollte Johanniskraut mindestens für fünf Tage abgesetzt werden, sonst kann es zu verstärkten Blutungen kommen.“
Ähnlich problematisch sei die Grapefruit. „Sie ist ein Beispiel dafür, dass ein Nahrungsmittel keinen Ergänzungsstoff braucht, um richtig giftig zu werden“, stellt der Mannheimer Universitätsprofessor klar. Demnach führt der Stoff, der die Frucht bitter macht, zu massiven Interaktionen bei der Aufnahme von Arzneimitteln: Neben der Bioverfügbarkeit verändert sich die Wirksamkeit von Immunsuppressiva, Statinen und Kalziumantagonisten, was besonders für Herz- und Krebspatienten schwerwiegende Folgen haben kann. Wer Medikamente einnimmt, sollte auf Grapefruit verzichten, da die Gefahr den Nutzen überwiegt.

Problematisch: Ginkgo und Koffein
Auch Ginkgo-Präparate kommen bei Prof. Dr. Wehling nicht gut weg. Diese werden gegen Gedächtnis-, Konzentrations- und Durchblutungsstörungen sowie bei Schwindel, Ohrensausen und Kopfschmerzen eingenommen. Dazu meint der Experte: „Es ist ein völlig überflüssiges Mittel mit nur einer bekannten Wirkung, nämlich dass es Blutungen auslösen beziehungsweise die Wirkung von blutverdünnenden Arzneien verstärken kann.“ Koffein kann bei Personen, die an einer Herzmuskel- oder Herzkranzgefäßerkrankung leiden, erhebliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Noch gravierender sei das dem Experten zufolge bei Energydrinks. „Das Zeug ist wirklich giftig, weil es extreme Mengen an Koffein und anderen Stoffen enthält“, sagt er. „Es sind Fälle beschrieben, bei denen Jugendliche – die eigentlich keine Herzprobleme haben – einen Liter getrunken haben und gestorben sind.“
Koffein sei von seiner ganzen Charakteristik her ein hochwirksames Medikament. Nur weil es in der Nahrung natürlich vorkomme, werde es nicht als solches untersucht und mit entsprechenden Gefahrenhinweisen versehen. Koffein habe aber auch einen positiven Effekt speziell für alte Menschen, erklärt Prof. Dr. Wehling: „Wenn man Patienten mit prädemenziellem Syndrom, die an Schlaflosigkeit leiden, abends Kaffee gibt, werden sie ruhiger. Das sorgt für eine sogenannte paradoxe Schlafförderung. Abhängig von der individuellen Konstitution kann Koffein also ganz unterschiedliche Wirkungen haben.“

 

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