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Der Wochenmarkt

Manche Traditionen fristen wirklich jahrelang ein Nischendasein, nur um plötzlich zum neuen, „alten“ Trend zu werden. Der eigene Schrebergarten ist ein Beispiel hierfür. Der Urlaub mit dem Wohnmobil ein anderes. Und auch der Besuch auf dem Wochenmarkt gehört in diese Kategorie. Denn während der Marktplatz am Samstagvormittag noch bis vor ein paar Jahren als Revier der Rentner, Hausfrauen und „alternativen Ökos“ galt, wird er mittlerweile zunehmend von der jüngeren Generation in Beschlag genommen. Doch nicht allen gefällt das.

Einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge, steigt der Anteil der Bevölkerung, der regelmäßig auf dem Wochenmarkt einkauft, kontinuierlich an. Verständlich, denn ein Besuch auf dem Wochenmarkt ist ein Fest für die Sinne: Beim Gang zwischen den Ständen steigt der Duft von frischem Käse und Schnittblumen in die Nase, in den Auslagen leuchten farbenfrohes Obst und Gemüse, mittendrin ein kleiner Teller mit einem aufgeschnittenen Apfel zum Probieren. Der wirkliche Grund für den Trend hin zum Markteinkauf könnte jedoch der Wunsch sein, einer globalisierten und als unpersönlich und unübersichtlich empfundenen Konsumwelt etwas entgegenzusetzen: Unmittelbarkeit und Authentizität.

 


Neben Qualität und Umweltfreundlichkeit besticht der Wochenmarkt durch die soziale Komponente

Die meisten Konsumenten assoziieren mit saisonalen Lebensmitteln aus regionalem Anbau im direkten Vergleich mit Supermarktware nicht nur eine bessere Qualität, sondern auch eine bessere Ökobilanz. Man könnte sagen, auf dem Wochenmarkt trifft Heimatverbundenheit auf ein gesteigertes Umweltbewusstsein. Doch auch der direkte Kontakt zu Verkäufern, die ganz buchstäblich hinter ihrer Ware stehen und angefangen von den Produktionsbedingungen bis hin zu Zubereitungstipps gerne Auskunft geben, ist für viele Verbraucher ein Plus. Dafür ist diese junge Generation dann auch bereit, tiefer in den Geldbeutel zu greifen – denn mit Discounter- oder selbst Supermarktpreisen kann und möchte der Wochenmarkt nicht mithalten.

 


Der Wochenmarkt als trendiger Treffpunkt kann leider auch zum Problem werden

Mittlerweile geht der Trend hin zu Foodtrucks und kleinen Café-Mobilen. Meet & Eat ist das neue Stichwort. Auch Weinstände sind ein beliebtes Anlaufziel – manche Besucher kommen nur wegen ihnen. Die alteingesessenen Standbetreiber sehen diese Entwicklung häufig zwiespältig: Zwar würden diese jungen Leute den Markt beleben, doch was anderes als „Weck, Worscht un Woi“ würden sie meist nicht kaufen. Richtig ärgerlich werde es sogar, wenn vor lauter Feiernden die Besucher, die wirklich wegen des Warenangebots kämen, kein Durchkommen mehr finden würden. Hier sei eine gute Planung gefragt: Nur durch genügend Raum und Rücksicht könnten feuchtfröhliches Get-together und traditionelles Markttreiben miteinander in Einklang gebracht werden – und letztlich voneinander profitieren.

 

 

 

 

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