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Ein Meilenstein: Künstliche Bauchspeicheldrüse für Typ-1-Diabetes Patienten

In den USA ist eine künstliche Bauchspeicheldrüse für Menschen mit Typ-1-Diabetes bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Nun ist die erste künstliche Bauchspeicheldrüse auch in Europa zugelassen und das weltweit erste sogenannte „Hybrid-Closed-Loop-System“ auch in Deutschland verfügbar.

 

Dies gilt als ein Meilenstein in der Diabetesforschung, denn damit können die Blutzuckereinstellung und das Diabetesmanagement deutlich vereinfacht werden. Und eine stabile Blutzuckereinstellung ist eine wichtige Voraussetzung für eine optimale Therapie und die Vermeidung von Komplikationen.

 

Eine künstliche Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist kein neues Ersatzorgan, sondern ein automatisches System, das den Blutzucker misst, automatisch reguliert und weitgehend selbstständig die Aufgaben der nicht mehr funktionierenden Bauchspeicheldrüse übernimmt.

 

Das Gerät besteht aus einem Glukose-Messsystem, das den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe bestimmt und das dem Zuckergehalt im Blut entspricht, einer Insulinpumpe, die beispielsweise als Kästchen am Gürtel getragen werden kann, sowie einer Software bzw. einer Recheneinheit.

 

Automatisiertes System zur Insulinversorgung

Das Rechenprogramm, ein sogenannter Algorithmus, über das die Daten verarbeitet werden, ist in die Pumpe integriert. Mit diesem wird der benötigte Insulinbedarf regelmäßig aus den aktuellen Zuckerwerten berechnet und an die Insulinabgabe anpasst, d. h. je nach Bedarf erhöht, reduziert oder unterbrochen. Dieses Prinzip ist eine automatisierte Insulintherapie mit dem Ziel, den Blutzuckerwert zwischen 70 und 180 mg/dl (3,9 mmol/l-10,0 mmol/l) zu halten.

 

Die Abgabe des Insulins orientiert sich dabei an den automatisch gemessenen Blutzuckerwerten, sodass die betroffenen Diabetiker den Insulinbedarf nicht mehr ständig selbst korrigieren müssen. Es hat sich gezeigt, dass mit diesem System der Blutzucker-Langzeitwert verbessert wird und seltener Unterzuckerungen, auch in der Nacht, auftreten. Generell werden sowohl Über- (Hyperglykämie) als auch Unterzuckerungen (Hyopglykämie) vermieden.

 

Hybrid-Closed-Loop-System

Bei der künstlichen Bauchspeicheldrüse handelt es sich um ein „Hybrid-Closed-Loop-System“, was bedeutet, dass das System gegenüber einem geschlossenen Kreislauf („Closed Loop“) noch nicht ganz automatisch funktioniert. Die Patienten müssen den Kohlenhydratgehalt ihrer Mahlzeiten weiterhin selbst messen und per Hand eingeben. Diabetiker, die Sport treiben, sollten den Blutzucker-Zielwert außerdem selbst anpassen, damit keine Unterzuckerung entsteht.

 

System wird von den Krankenkassen bezahlt

Die ersten Systeme sind nun in Europa zugelassen und werden von den Krankenkassen bezahlt. Die künstliche Bauchspeicheldrüse ist vor allem für Patienten mit Typ-1-Diabetes ab dem Alter von sieben Jahren eine Option. Voraussetzung ist, dass das System vom Patienten technisch sicher beherrscht wird. Zudem sollte ein Gutachten von einem Diabetologen vorhanden sein und Blutzucker-Tagebuch geführt werden.

 

Für Schwangere ist die künstliche Bauchspeicheldrüse nicht geeignet. Da die Zahl der Diabetiker weiterhin stark zunimmt – das betrifft sowohl Kinder mit Typ-1-Diabetes als auch Erwachsene mit Typ-2-Diabetes –, besteht ein hoher Bedarf an digitalen Innovationen, die auch ständig weiterentwickelt werden. Wenn sich die künstliche Bauchspeicheldrüse etabliert, kann sie wesentlich dazu beitragen, das Leben von Diabetikern und das Leben  der Eltern von Kindern mit Diabetes zu erleichtern und zu verbessern.

 

 

 

 

 

 

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