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Schlaue Diabetestechnologie!

Jeder elfte Erwachsene weltweit hat Diabetes  – inklusive einer hohen Dunkelziffer. In Deutschland sind es etwa 340.000 Menschen mit Typ-1- Diabetes, bei denen die Bauchspeicheldrüse aufgrund einer Autoimmunerkrankung kein Insulin mehr produziert.

 

Die Folge: Die Betroffenen müssen ständig ihren Blutzucker kontrollieren und für die richtige Balance von Insulin und Kohlenhydraten sorgen, um eine gute Blutzuckereinstellung zu erreichen und das Risiko für diabetesbedingte Folgeerkrankungen zu reduzieren – ein 24-Stunden-Job. Und kein leichter: Der Glukosestoffwechsel ist ein Ab- bild des Lebens, jeder Tag kann aufgrund zahlreicher  Faktoren anders ablaufen, der Alltag lässt sich nicht immer berechnen.

 

Technische Unterstützung

Diverse Technologien können dabei helfen und sind längst integraler Bestandteil der Therapie: So stehen neben Insulinpumpen seit einigen Jahren auch Sensoren zur kontinuierlichen Glukosemessung zur Verfügung – sogenannte CGM-Systeme („Continuous Glucose Monitoring“). Studien zufolge nimmt der Anteil der Menschen mit Diabetes, die ein CGM-System nutzen, immer stärker zu. Und laut Experten wird es zudem nur noch ein paar Jahre bis zur „technischen Heilung“ dauern, also bis „Full Closed Loop“-Systeme den Blutzucker via Pumpe und Sensor, die miteinander kommunizieren, selbst- und vollständig  regeln werden.

 

Erstmals zugelassen: Hybrid-Closed-Loop-System

Vor Kurzem fand ein großer Schritt in diese Richtung statt. Gab es bisher bereits Pumpen, die die basale Insulinzufuhr temporär abschalten, wenn die Sensorglukose in Richtung Unterzucker abzurauschen droht, hat es erstmals ein „Hybrid Closed Loop“-System in die Regelerstattung in Deutschland geschafft. Das neue System mit adaptiver automatischer basaler Insulinabgabe bietet nicht nur die Abschaltung bei Unterzuckerungsgefahr, sondern gibt zudem automatisch Mikro-Boli ab, also kleinste Insulinmengen, um einen festen Glukose-Zielwert einzuhalten. Das System – bestehend aus Insulinpumpe, Glukosesensor und Blutzuckermessgerät – soll den Patienten Entscheidungen abnehmen und so ihr Leben erleichtern.

 

Mehr Zeit im Zielbereich

Die Lösung ist ein großer Schritt, aber noch kein Selbstläufer. Es braucht eine gute basale Grundeinstellung, intensive Schulung und der Betroffene muss durch Blutzuckermessungen das System regelmäßig kalibrieren sowie nach wie vor die Kohlenhydrate seiner Mahlzeiten abschätzen und Boli (Bolus-Insuline sind Insuline, die zusätzlich zu den Mahlzeiten verabreicht werden) per Insulinpumpe abgeben. Aber der Hybrid-Closed-Loop kann Schwankungen selbstständig regulieren und ist so eine große Unterstützung, Therapieziele zu erreichen. Konkret: den Langzeitzucker-Wert HbA1c zu verbessern, Unterzuckerungen und Blutzuckerschwankungen zu reduzieren und die Zeit im Zielbereich (TIR: „Time in Range“) zu erhöhen – ein Parameter, der mit den CGM-Systemen immer größere Bedeutung erhält. Eine internationale Expertengruppe empfiehlt Typ-1-Diabetikern, mindestens 70 Prozent in der TIR zwischen 70 und 180 mg/dl Blutglukose anzustreben.

 

Und erste Studien zeigen: Es funktioniert. Die TIR  lässt sich mit dem neuen System erhöhen und der HbA1c-Wert (HbA1c –  umgangssprachlich auch Blutzuckergedächtnis) verbessern.

 

 

 

 

 

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