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Zucker: Süchtig nach Süßem

Ob nun der Milch-Schokolade-Snack aus dem Kühlschrank, die in geselliger Runde rumgereichten Lieblings-Fruchtgummis oder ein eisgekühlter Softdrink an einem heißen Sommertag – einer süßen Versuchung können die meisten von uns nur schwer widerstehen. Und das hat einen Grund: Unser Gehirn reagiert auf Zucker ähnlich wie auf eine Droge.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät dazu, pro Tag nicht mehr als 25 Gramm Zucker zu konsumieren. Umgerechnet auf küchentaugliche Maßstäbe sind das rund 6 Teelöffel Zucker. Allerdings nimmt jeder Deutsche statistisch gesehen pro Tag das Vierfache zu sich, nämlich rund 100 Gramm. Wir leben also im Grunde mit einer ständigen Überdosis im Blut. Und das schlägt sich auch im Erscheinungsbild nieder: Rund 60 Prozent aller Männer und knapp 40 Prozent der Frauen sind übergewichtig.

 

Die Industrie und der Zucker

Foodwatch e. V. sieht die Hauptverantwortung für diese Entwicklung jedoch nicht bei den betroffenen Menschen, sondern vor allem bei der Lebensmittelindustrie. Das Problem sei nämlich, dass jederzeit und überall hochkalorische, hochgradig verarbeitete und zuckerreiche Lebensmittel verfügbar seien – und die Verbraucher so an einen hohen Zuckerkonsum gewöhnt würden. Von einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Industrie zur Reduktion von Zucker in Nahrungsmitteln hält Foodwatch jedoch nichts. Vielmehr müssten die Verbraucher durch verbindliche gesetzliche Vorgaben geschützt werden.

 

Zucker hat „Suchtpotenzial“

Mittlerweile werben mehrere Supermarktketten mit einem kritischen Umgang mit Zucker. In einer kontrovers diskutierten Werbekampagne verglich eine Supermarktkette Zucker dann sogar direkt mit Kokain. Und tatsächlich ist Zucker neurochemisch betrachtet ein sehr interessanter Stoff: Zwar ist er in seiner Gefährlichkeit keineswegs mit Drogen wie Heroin, Nikotin oder Alkohol vergleichbar. Dennoch aktiviert er im Gehirn das Belohnungssystem, wodurch bestimmte Botenstoffe freigesetzt werden, die ein Gefühl der Zufriedenheit auslösen. Tierversuche zeigten, dass diese Reaktion auf Zucker zu einem suchtähnlichen Verhalten führen kann, wenn der „Stoff“ plötzlich ausbleibt.

 

Süßstoffe als Ersatzstoffe?

Inwieweit sich dieses Ergebnis auf den Menschen übertragen lässt, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Fest steht jedoch, dass Personen, die schließlich konsequent auf Süßes verzichten, nicht selten von „Entzugserscheinungen“ wie einer gesteigerten Nervosität oder Kopfschmerzen geplagt werden. Um die Entwöhnung zumindest geschmacklich zu erleichtern, werden häufig „Diät-“ oder „Light-Produkte“ angepriesen. Allerdings sind auch die nicht unproblematisch: Wie Zucker wirken sie auf das Gehirn, weswegen wir gerne ordentlich zuschlagen – und letztlich den eingesparten Zucker mit größeren Portionen kompensieren.

Die beste Möglichkeit, sich nicht zum Sklaven des Zuckers zu machen, ist immer eine bewusste Ernährung. Hierzu zählt aber nicht nur die Lektüre der Zutatenlisten und Nährwertangaben, sondern eben auch die „bewusste“ Entscheidung, hin und wieder über die Stränge zu schlagen.

 

 

 

 

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