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Heute schon Zukunftsmusik hören: Die Roboterchirurgie

 

Seit fast 12 Monaten wird am Uni-Klinikum Würzburg mit einem Chirurgie-Roboter gearbeitet. Für Prof. Dr. med. Rainer G. Leyh, den Direktor der Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie, hat das Klinikum damit eine wichtige Vorreiterrolle. Denn die Roboterchirurgie ist zwar eine kostspielige Innovation, doch sie ermöglicht langfristig eine zukunftsfähige Medizin mit einer besseren Versorgung der Patienten. Was versteht man eigentlich unter „Roboterchirurgie“?

 

  • Bedeutet Roboterchirurgie, dass ein Maschinenmensch am Operationstisch steht?

Nein, es ist keine Maschine die Operation selbstständig durchführt, sondern es ist eine Maschine, deren Bewegungen von einem Menschen geführt und ausgelöst werden.

 

  • Wie arbeiten Chirurg und Maschine zusammen?

Der Chirurg sitzt an einer Konsole und schaut über eine super-hochauflösende Kamera direkt in das Operationsfeld hinein. Seine Finger sind über Schlaufen mit den Instrumenten verbunden, seine Bewegungen werden sofort und ohne Zeitverzögerung 1:1 übertragen. Alle Feinstrukturen werden vergrößert dargestellt, was ein viel präziseres arbeiten und präparieren erlaubt.

 

  • Für welche Eingriffe ist diese Methode im Bereich der Herz-Thorax Chirurgie besonders gut geeignet?

Sie eignet sich beispielsweise sehr gut für Eingriffe an bestimmten Herzklappen, etwa der Mitralklappe. Außerdem kann man mit ihr kleinere Defekte im Bereich der Herzscheidewand sehr gut beheben. Auch wenn es um die Lunge geht, wenn etwa Lungengewebe aufgrund von Krebserkrankungen entfernt werden muss, eignet sich die Roboter-Chirurgie hervorragend.

 

  • Welche Vorteile hat die Roboterchirurgie für den Patienten?

Das exakte dreidimensionale Sehen und die Genauigkeit der Instrumente erlauben kleinere Schnitte und ein präziseres Arbeiten an den Organen im menschlichen Brustkorb. Der Eingriff ist mit geringeren Schmerzen verbunden und unsere Patienten können früher wieder am normalen Leben teilnehmen.

 

  • Kommt die Roboterchirurgie irgendwann an ihre Grenzen?

Das sehe ich im Moment nicht. Gerade sind spannende Dinge in der Entwicklung. So sollen zukünftig Gefühlsübertragung von den Instrumenten auf die Finger des Chirurgen möglich werden. Auch an Vorab-Simulationen geplanter Operationen wird gearbeitet, um das mögliche Ergebnis schon im Vorfeld überprüfen zu können. Das ist bietet eine unglaubliche Perspektive. Noch sind wir nicht so weit, aber diese Technik wäre ein Quantensprung.

 

  • Ist es vorstellbar, dass der Chirurg eines Tages durch die Maschine ersetzt wird?

Nein, trotz aller Möglichkeiten und Präzision wird im medizinischen Bereich keine Maschine den Menschen  ersetzen. Vielleicht lässt sich die Aufgabe des Chirurgen  irgendwann mit der eines Airbus Piloten vergleichen  – auch wenn der Autopilot sämtliche Manöver ausführen kann, die Überwachung und Kontrolle seiner Funktion liegt in der Hand des Menschen.

 

 

 

 

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