©sdecoret_AdobeStock

  

 

Apotheken-Kurier-Leserservice für Gesundheitsfragen

In dieser und der November-Ausgabe bietet der Apotheken Kurier seinen Lesern erneut den Service, der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) Fragen zu medizinischen und sozialrechtlichen Themen stellen zu können und interessante Fragen und Antworten anonym zu veröffentlichen.

 

Die UPD (www.patientenberatung.de) ist eine gemeinnützige Einrichtung, die im gesetzlichen Auftrag (§ 65b Sozialgesetzbuch V) Ratsuchende aus ganz Deutschland zu medizinischen oder sozialrechtlichen Themen berät – unabhängig davon, ob sie gesetzlich, privat oder gar nicht versichert sind.

  • Wenn auch Sie Fragen zu medizinischen oder sozialrechtlichen Themen an die UPD haben, schicken Sie diese bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, damit wir sie weiterleiten können. Alternativ können Sie sich auch unmittelbar über die unten angegebenen Kontaktdaten an die UPD wenden.

 

Frage einer Patientin (29): Ich bin vor einigen Wochen beim Inlineskaten gestürzt. Mein Arzt konnte keine Knieverletzung feststellen. Da die Schmerzen jedoch nicht nachgelassen haben, hat er mich an einen Orthopäden überwiesen. Dieser rät zu einer OP – aber ich bin unsicher, ob das nötig ist. Deshalb habe ich um Einsicht in meine Patientenakte gebeten, um eine zweite Meinung einholen zu können. Bisher wurde ich ohne Begründung vertröstet. Welche Möglichkeiten habe ich?

 

Heike Morris, Juristische Leiterin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD): Grundsätzlich gilt: Sie haben ein Recht darauf, Ihre Patientenakte einzusehen.

 

Die Patientenakte – Was steht drin?

Der behandelnde Arzt ist verpflichtet, Diagnosen, Untersuchungs- und Laborbefunde, Röntgenbilder, Operationsberichte, Behandlungen, Notizen über Therapieerfolge sowie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen in der sogenannten Patientenakte zu dokumentieren. Nachträgliche Änderungen oder Korrekturen müssen als solche kenntlich gemacht und mit Datum versehen werden. Nach Abschluss der

Behandlung bzw. nach Beendigung des Arzt-Patienten-Verhältnisses muss der Arzt die Patientenakte zehn Jahre lang aufbewahren.

 

Einsicht in die Patientenakte – Ihre Rechte

Nach § 630g des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) haben Sie grundsätzlich das Recht, Ihre Patientenakte ohne Begründung jederzeit einzusehen. Sie können sogar Kopien verlangen, müssen die Kosten hierfür jedoch erstatten. Als angemessen gelten bis zu 50 Cent pro Seite.

In zwei Ausnahmefällen kann der behandelnde Arzt die Einsicht in die Akte ablehnen: 

  • Wenn er befürchtet, dass der Inhalt Sie gefährden kann, weil er zum Beispiel Depressionen verstärken bzw. eine Suizidgefahr erhöhen kann.
  • Wenn der Inhalt der Akte geeignet ist, das Persönlichkeitsrecht Dritter zu verletzen, weil z.B. die Beziehung zu Angehörigen aufgeführt wird. Bevor der Arzt die Einsicht mit dem Hinweis auf eine der beiden Ausnahmen – die in Ihrem Fall offensichtlich nicht greifen – verweigert, muss er im Einzelfall entscheiden, ob etwa eine begleitete Einsichtnahme in Betracht kommt oder die Inhalte durch eine dritte Person vermittelt werden können.

 

Wenn der Arzt die Einsicht verweigert

Sie haben das Recht, Ihrem Orthopäden eine angemessene Frist zur Einsichtnahme in die Patientenakte zu setzen. Lässt er diese ungenutzt verstreichen, können Sie sich bei der zuständigen Landesärztekammer beschweren und gerichtlich dagegen vorgehen. Ich rate Ihnen in jedem Fall, alle relevanten Ereignisse (z.B. Untersuchungen, Gespräche) in einem Gedächtnisprotokoll festzuhalten und Zeugen aufzulisten, um Änderungen in Ihrer Patientenakte beweisen zu können.

 

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass es nicht möglich sein wird, all Ihre Fragen im Heft zu beantworten. Bei Bedarf können Sie sich deshalb direkt an die UPD wenden: kostenfrei unter   > 0800 0 11 77 22 (montags - freitags von 8.00 bis 22.00 Uhr, samstags von 8.00 bis 18.00 Uhr).

 

 

 

 Startseite