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Schlaganfall durch Dauerstress

Warum eine anhaltende psychische Belastung lebensgefährliche Folgen haben kann

 

Wen der Schlag trifft, dem bleibt nicht viel Zeit. Bei einem Schlaganfall, auch Hirnschlag oder Apoplexie genannt, wird die Blutversorgung bestimmter Gehirnareale teilweise oder völlig unterbrochen. In der Folge werden die Hirnzellen nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Sterben sie daraufhin ab, drohen schwerste Behinderungen. Rund 250.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Schlaganfall.

 

Als einen möglichen Risikofaktor haben Forscher einen hohen Stresslevel ausgemacht. Ein Schlaganfall wird im Wesentlichen durch eine von zwei Ursachen hervorgerufen. Bei den meisten Schlaganfällen wird ein Blutgerinnsel in das Gehirn geschwemmt, wo es steckenbleibt und das Gefäß verschließt. Man spricht dann von einem ischämischen oder weißen Schlaganfall. Gute vier Fünftel aller Schlaganfälle sind solche weißen Schlaganfälle. Im zweiten und selteneren Fall reißt ein Blutgefäß direkt im Gehirn. Dies nennt man einen hämorrhagischen oder roten Schlaganfall.

 

Beide Formen sind für Betroffene sehr gefährlich und bedürfen der schnellstmöglichen Behandlung. Dies gilt auch für transitorische ischämische Attacken (TIA), also einen Schlaganfall, dessen Symptome nur ein paar Minuten anhalten. Denn auch wenn die Symptome wieder verschwinden, ist das Risiko für einen schwereren Schlaganfall nun deutlich erhöht!

 

Forscher vermuten, dass Stress  das Risiko für einen Schlaganfall erhöht

„I-Stress“ gilt allgemein als Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, vor allem für Herzinfarkte und Bluthochdruck. Doch auch die Gefahr eines Schlaganfalls wird durch eine anhaltende und starke psychische Belastung erhöht. Dies legen zumindest mehrere Studien nahe, die in den letzten Jahren in medizinischen Fachzeitschriften publiziert wurden. So kam die Neurologin Katarina Jood von der Universität Göteborg nach der Auswertung eines Fragebogens zur persönlichen Stressbelastung von 600 Schlaganfallpatienten zu dem Schluss, dass psychischer Stress bei vielen Patienten wohl zur letztlichen Erkrankung beigetragen hat. Demnach gaben die Patienten drei- bis viermal häufiger als die Kontrollgruppe an, im Vorfeld der Erkrankung einer starken psychischen Belastung ausgesetzt gewesen zu sein. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine britische Studie, die individuellen Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen von knapp 70.000 Probanden in Beziehung setzte. Hier zeigte sich, dass das Risiko eines Schlaganfalls bei „gestressten“ Personen um den Faktor 1,66 erhöht war.

 

Auch die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie, die den Zusammenhang zwischen psychosozialen Belastungen und dem Auftreten eines Schlaganfalls untersuchte, legen einen solchen Schluss nahe: Je stärker der gefühlte Stress und die allgemeine Unzufriedenheit, je ausgeprägter ein eventueller Neurotizismus oder eine Depression, desto höher das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Um die genauen Zusammenhänge von Stress und Erkrankungsrisiko auch in Bezug auf die beiden verschiedenen Typen von Schlaganfällen zu verstehen, werden aber noch weitere Untersuchungen notwendig sein.

 

 

 

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