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Viele Menschen hören ab und zu ein unangenehmes Pfeifen oder Rauschen im Ohr, zum Beispiel nachdem sie in einem lauten Konzert waren. Ab wann spricht man von Tinnitus?

Tatsächlich besteht im Innenohr mit seinen vielen aktiven Sinneszellen immer ein gewisses „Grundrauschen“. Das fällt uns vor allem dann auf, wenn wir von einer lauten Umgebung in eine leise wechseln. Im Alltag werden diese Ohrgeräusche normalerweise von anderen Tönen verdrängt und kaum beachtet. Menschen, die Ohrgeräusche über längere Zeit und ohne ersichtlichen Grund empfinden, haben einen Tinnitus aurium, Lateinisch für „Klingeln der Ohren“, oder kurz Tinnitus.

 

Was steckt dahinter?

Die Ursachen sind vielfältig: Gefäßprobleme sind ebenso möglich wie eine Verletzung des Trommelfells, ein Lärmtrauma oder auch bestimmte Erkrankungen. Aber auch eine Hörschwäche kann der Grund für einen Tinnitus sein. 

 

Wie kann das sein – wer Gehörprobleme hat, hört doch eigentlich weniger?

Schon – aber das betrifft ja die äußeren und nicht die inneren Geräusche. Wer die Geräusche seiner Umgebung schwer hört, wird entsprechend weniger von seinem inneren „Grundrauschen“ abgelenkt – und konzentriert sich umso mehr darauf.

Oft ist der Tinnitus aber auch weder Ausdruck einer behandelbaren Erkrankung noch von Schwerhörigkeit. Dann geht es vor allem darum, die Aufmerksamkeit der Patienten von dem Geräusch, das sie plagt, so gut es geht abzulenken.

 

Lässt das Hörvermögen im Alter automatisch nach?

Ja und nein. Die Sinneszellen für hohe Frequenzen bauen im Alter ab, so dass höhere Töne nicht mehr so gut wahrgenommen werden können – hier helfen Hörgeräte. Wer seine Sinneszellen vor Lärm schützt, kann sie aber länger arbeitsfähig halten. Beunruhigend ist in diesem Zusammenhang, dass inzwischen zunehmend jüngere Menschen von Hochtonhörschwäche betroffen sind – zum Beispiel weil sie über In-Ohr-Kopfhörer viel laute Musik gehört haben.

 

Verursachen Hörgeräte aber nicht auch Nebengeräusche?

Die Digitaltechnik hat dafür gesorgt, dass Übersteuerungs- und Rückkoppelungseffekte mit ihren unangenehmen Geräuschen viel seltener geworden sind. Moderne Geräte können im Gegenzug sogar unerwünschte Frequenzen herausfiltern und so für weniger Nebengeräusche sorgen.

Um Ansätze der „natürlichen Geräuschdämpfung“ zu erreichen, die mit der Hörschädigung verloren gegangen ist, sollten Betroffene nicht nur auf eine fachgerechte Anpassung des Geräts beim Hörakustiker achten, sondern dort möglichst auch einige Stunden Hörtraining absolvieren.

 

 

 

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