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Wenn Diabetes auf die Stimmung schlägt

Der Glukosewert beeinflusst auch die Stimmung: Wenn ein Diabetiker unter Stimmungsschwankungen oder sogar Depressionen leidet, kann dies nicht selten auf einen schlecht eingestellten Blutzuckerwert zurückgeführt werden.

 

Diabetiker berichten davon, dass sie sich manchmal ohne ersichtlichen Grund traurig oder umgekehrt euphorisch fühlen. Wird der Blutzuckerwert bestimmt, zeigt sich, dass dieser oft sehr niedrig ist. Dieser Energiemangel im Gehirn kann z. B. Seh- oder Konzentrationsstörungen sowie auch Verhaltensänderungen verursachen. In einer Untersuchung mit Diabetikern konnte bereits nachgewiesen werden, dass Blutzuckerwerte außerhalb des Normbereichs die Stimmung deutlich verschlechtern können.

Die Studienteilnehmer notierten mehrmals täglich anhand einer Skala ihre Emotionen wie Ärger, Anspannung, Glück und Energie bzw. Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig wurden die Blutzuckerwerte mittels kontinuierlicher Glukosemessung bestimmt. Die Auswertung ergab, dass die Patienten sich im Bereich von 3,4 bis 7,2 mmol/l (61 bis 130 mg/dl) am wohlsten fühlten, während Gefühle wie Energie und Glück im hypoglykämischen Bereich von 2,2 bis 3,3 mmol/l (40 bis 60 mg/dl) und bei Werten über 11,1 mmol/l (200 mg/dl) am schwächsten, Ärger und Anspannung dagegen besonders stark ausgeprägt waren. Dies weist darauf hin, dass der Blutzuckerspiegel bei Empfindungen wie Stress, Glück, Wohlbefinden und Energie eine maßgebliche Rolle spielt. Darüber hinaus gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Depressionen.

 

Auch Depressionen und Diabetes bedingen sich

Bei Diabetikern werden doppelt so häufig wie in der nicht diabetischen Bevölkerung Depressionen diagnostiziert. In Deutschland leiden etwa 800.000 Menschen gleichzeitig an Diabetes und Depressionen. Dabei sind Diabetikerinnen wesentlich häufiger davon betroffen als Männer. Depressionen verschlechtern nicht nur die Lebensqualität und damit die Stimmung und die Stoffwechselkontrolle, sondern erhöhen auch das Risiko für das Auftreten von Diabeteskomplikationen. So weisen Diabetiker mit einer Depression in der Regel einen schlechter eingestellten Blutzuckerspiegel auf. Dies ist wiederum für die kleineren Blutgefäße belastend und ruft die typischen diabetischen Folgeerkrankungen hervor, wie Sehstörungen, diabetischer Fuß oder Erkrankungen der Nieren. Auch die Depression selbst wirkt sich negativ auf die Blutgefäße aus, denn eine Depression bedeutet für den Körper Stress und durch den chronischen Stress werden entzündliche Prozesse an den Gefäßen aktiviert.

Ursache für das gehäufte Auftreten von Depressionen bei Diabetes ist vielfach das jahrelange, täglich erforderliche Diabetes-Management, das Gefühle von Hilflosigkeit und Überforderung hervorrufen kann. Auf der anderen Seite kann umgekehrt eine Depression dazu führen, dass ein Patient dem Diabetes-Management nicht mehr gerecht werden kann.

Früherkennung, rechtzeitige Therapie, gute Einstellung und regelmäßige Kontrollen sind bei beiden Erkrankungen wesentlich. Ein Screening auf Vorliegen einer Depression ist gerade bei schwieriger Diabetes-Einstellung oft hilfreich. Grundsätzlich sollen alle Patienten mit Diabetes einmal jährlich auf das Vorliegen einer psychischen Erkrankung untersucht werden. Die Kombination von Diabetes-Schulung und Psychotherapie ist hier ein sinnvoller Ansatz.

 

 

 

 

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